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Miriam Schwack

Künstlerportrait von Ulrike Guggenberger, im Atelier in Altheim, 30. November 2003

Es ist für mich wie „ ... lauter kleine Packerl, die in mir stecken, die ich aufmachen muss.” Mit diesem kurzen Bild charakterisiert Miriam Schwack, 1969 in Braunau geboren, sich selbst.

Ihre künstlerische Arbeit bestätigt diesen narrativ formulierten Satz.

Miriam Schwacks Geschichte beginnt damit, dass sie jede übliche Arbeit als grundsätzlich unbefriedigend und unendlich langweilig empfindet, sie fühlt sich vom normalen Alltag eingeengt und sucht nach einer selbstbestimmten, freien Tätigkeit.

Ein sicheres inneres Gespür lässt sie in Richtung bildende Kunst suchen. Eine erste Ausbildung kommt ihrer Begabung im Malerischen noch wenig entgegen, sie verlässt die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz und sucht ihr Glück in autodidaktischer Arbeit. Ganz auf sich selbst konzentriert und mit den eigenen, inneren Qualitäts-Ansprüchen konfrontiert, erlebt sie ihre zeichnerischen und malerischen Unternehmungen als wenig gekonnt. Daneben aber bleibt das starke Gefühl „Ich will nichts anderes machen. Ich kann nichts anderes, ich muss das tun.” nachdrücklich für sie spürbar. In dieser Situation des verzweifelten Kampfes zwischen intellektuellem Anspruch und praktischer Umsetzung wird sie von der Innviertler Künstlergilde zum Symposion „Ist Kunst weiblich?” auf Schloss Sigharting eingeladen.

Der Kontakt mit anderen KünstlerInnen und deren selbstverständliche Anerkennung löst die intellektuelle, kopflastige Lähmung auf. Die neu gewonnene innere Freiheit fließt als direkte Umsetzung in die zeichnerische Arbeit. Eine Zeit der intensiven Formfindung in der Zeichnung nimmt hier ihren Anfang. Im genuin existentiellen Prozess des Zeichnens befreit sie sich zu ihrem künstlerischen Tun. Die Linie, der klare Umriss bleibt das hervorragenste Element ihrer Arbeit.

Miriam Schwack vergleicht ihren künstlerischen Prozess mit einer Lokomotive: „ ... Zunächst dauert es lang, bis der Koloss in Schwung kommt, doch dann läuft er unaufhaltsam ...”

In ihrer ersten Phase zeichnet und malt Miriam Schwack auf kleinen und großen Formaten Köpfe und Gesichter. Die Köpfe, die im weitesten Sinne autobiographische Züge tragen, stehen im Zentrum der Arbeit, klar und deutlich heben sie sich vom Maluntergrund ab. Den Köpfen sind oft kleine Figürchen, wie kleine Begleiter zugeordnet. Diese Fischdrachen und kleinen Phantasiegeschöpfe in Signalfarben bevölkern auch ihre dunkelblauen Bilder und flackern in dem großen, dunklen Raum auf. „ ... Sie haben für mich eine beruhigende Wirkung.” Der Trennung von Kopf und Körper folgen Bildszenen der Körperfindung und Wiederentdeckung des Körpers.

Die folgenden Bilder bestätigen ihren Wunsch nach Eroberung des Raumes, nach dem freien Hineingehen in die Welt. Sie zeugen vom Interesse an ihrer nächsten Umgebung und an der Landschaft. Sie entdeckt für sich ein helles, sinnlich tönendes Hellblau. Die Tagbilder in diesem besonderen Blau lösen die dunkelblauen Nachtbilder ab. Auffallend bleibt die dominierende Linienführung, präzise ausgeführte Konturen bestimmen die Formgebung.

Der Raum dahinter ist himmelweit und reicht ins Unendliche: „ ... Das behagt mir, das ist eine gefühlsmäßige Entscheidung, die ich brauche.” Immer noch malt Miriam Schwack zwischen anderen Themen überdimensionale Köpfe, die Platz beanspruchen und über die Horizontlinie hinaus in den Raum hineinreichen.

Die fortschreitende künstlerische Entwicklung erweitert sich um das skulpturale Objekt. Miriam Schwack greift neue Materialien auf. Weiße Wolken auf Miriam-blauem Grund tauchen auf kleinen und großen Polsterobjekten auf. Miriam Schwack positioniert diese Polsterformen bei Ausstellungen wie absichtslos im Raum. Damit bleibt sie nicht mehr der eindimensionalen Fläche des Bildes verhaftet, sondern wagt sich über die bildliche Darstellung in der Malerei hinaus in den realen Raum.

In Miriam Schwacks künstlerischem Werk vollzieht sich die Geschichte einer Individualisierung.