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Oskar Stocker | Luis Rivera,

Dokumentation einer Rauminstallation von Oskar Stocker und Luis Rivera im Rahmen der Gedenkveranstaltung „Kaddisch“ in der Salzburger Kollegienkirche am 8. November 2018. Mit Texten von Marco Feingold, Charlotte Herman, Schlomo Hofmeister, Günther Lieder, Marcus Patka, Karin Peschka, Elie Rosen und Christian Wallisch-Breitsching und Fotos von Marco Riebler und Michael Brauer. Verlag, Österreich,

Kaddisch
Oskar Stocker | Luis Rivera



Klappenbroschüre, Format 270/210 mm, 58 Seiten, 21 Farbabbildungen, 1. Auflage 2018 Englisch/Deutsch

ISBN 978-3-903078-24-6

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Ein Kaddisch zu ihrem Gedächtnis

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 2018 jährt sich zum 80. Mal jene grausame Nacht, in der die jüdische Bevölkerung im Deutschen Reich für rechtlos erklärt wurde. Mit der vom NS-Regime im ganzen Reich organisieren Zerstörung jüdischer Synagogen und Häuser sowie der Misshandlung unzähliger jüdischer Mitmenschen beginnen jene Gräueltaten, die schlussendlich zur Ermordung und Vernichtung der Juden in Europa geführt haben. Das Kaddisch ist ein Gebet der Erinnerung, es hilft der Seele auf ihrem Weg zu Gott. Wir stehen nicht alleine in der Welt sondern sind Teil der ganzen Menschheit im Besonderen unserer Familien sowohl der Verstorbenen als auch der Zukünftigen. Im Christentum sprechen wir von der Gemeinschaft der Heiligen, die uns alle über den Tod hinaus verbindet. Für unsere jüdischen Mitbürger ist das Kaddisch eine Möglichkeit diese Verbindung lebendig werden zu lassen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November werden sich Juden und Christen, Schüler*innen und Studierende, Künstler*innen und Lehrer*innen in der Kollegienkirche zu einer interreligiösen Gemeinschaft versammeln und der Erinnerung an die Lebenden und Toten ein Gesicht geben. Die Installation von Oskar Stocker und Luis Rivera deren zentraler Inhalt die geschriebene Form des Kaddisch ist, findet einen idealen Projektionsraum in der strahlend weißen Kirche. Die Kollegienkirche als Tempel der göttlichen Vernunft vor dreihundert Jahren durch Johann Fischer von Erlach erbaut, stellt die zu Stein gewordenen Ideale der Aufklärung von geistiger Freiheit, Gleichheit und Toleranz dar. Was liegt näher, als in diesem einzigartigen Raum, die Erinnerung an die damals Verfolgten und Getöteten lebendig werden zu lassen. Eine lebendige Erinnerung kann möglicherweise aufkeimenden Vorurteilen und Diskriminierungen entgegentreten. Im aktiven Dialog der Religionen und Weltanschauungen wird die Hoffnung auf den Weltfrieden Gestalt annehmen. In den Bildern Oskar Stockers und Luis Riveras schauen wir in die Augen konkreter und fiktiver Menschen. Verfolgung und Verachtung sind nie anonym sondern treffen stets ein DU. Die heutige Fülle an möglichen Informationen kann unseren Blick auf einzelne Schicksale trüben. Dem möchten die beiden Künstler entgegentreten. Der Betrachter/die Betrachterin sind eingeladen auch der eigenen Erinnerung Raum zu geben und sie in den Erinnerungsraum der Kollegienkirche einzufügen. Im Gedenken an jenen grausamen November und achtsam für gegenwärtige Strömungen in der Gesellschaft möchten wir in der Kollegienkirche einen Erinnerungsbogen vom damals ins heute spannen.

Christian Wallisch-Breitsching, Hochschulseelsorger, Kollegienkirche Salzburg


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