Verlag, Artbook, Dennis de Kort, Kunst, Kunstbuch, Kunstkatalog, Kunstkataloge, Reproduktionen, Petra Polli
Public Space, Arbeiten von 2006 bis 2015 mit Text von Andreas Hapkemeyer
(Deutsch, Italienisch, Englisch), Gestaltung Petra Polli.
Verlag, Österreich,

Petra Polli
Public Space


Softcover, Format 297/210 mm, 120 Seiten,
1. Auflage 2015

ISBN 978-3-903078-07-9

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„ (…) Seit 2009 entstehen mit Acryl auf Leinwand gemalte Bilder, die im Katalog oder auf den ersten flüchtigen Blick wie fotografische Abbildungen konkreter Ansichten aus dem urbanen Umfeld wirken können. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich hier um Gemälde handelt, die ihre Sujets täuschend echt vorführen. Insofern kann man hier von einer Form von Realismus sprechen, der allerdings ohne die herkömmlich sich mit ihm verbindende Figuration auskommt. Bemerkenswert ist, dass Polli sich diesem Thema nicht nur ästhetisch, sondern auch theoretisch fundiert nähert. Ihre 2010 bei Beatrice von Bismarck an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig eingereichte theoretische Diplomarbeit hat die Geschichte und die Hintergründe urbaner Graffiti zum Gegenstand. Das zeigt, dass Polli sich mit ihrem Gegenstand gleichzeitig malerisch und theoretisch, praktisch und reflexiv nähert. Pollis Graffiti-Bilder mögen also auf den ersten Blick wie direkte Übernahmen aus der städtischen Realität wirken: von Wänden, auf denen sich die Zeichen und Schriften verschiedener Provenienz verdichten und unter Umständen überlagern. Dennoch handelt es sich bei dem, was Petra Polli betreibt, um eine sehr bewusste Form von Malerei. In Analogie zu den verwirrenden Zeichenverdichtungen und den bröckelnden Wänden, auf denen Polli ihre Sujets oft vorfindet, bearbeitet sie ihre Leinwände mit Auftrag verschiedener Schichten, Auswaschen oder Abkratzen von Partien, erneutem Auftrag und erneutem Löschen, sodass schließlich mehrere Bildebenen gleichzeitig präsent sind. Wie eine Archäologin führt Polli dem Betrachter Situationen vor, in denen verschiedene tags mit einander bzw. mit auf verschiedene Weise bearbeiteten Untergründen konkurrieren. Tags sind - die Künstlerin geht in ihrer Diplomarbeit ausführlich auf die Frage ein - zeichenhafte Kürzel, die für Namen stehen und sich in New York mit Ende der 1960er Jahre zu verbreiten beginnen. Diese Kürzel sind jedoch nicht für jeden lesbar, sondern basieren auf einem Code, der zunächst nur Insidern verständlich ist. Es handelt sich am Anfang um im Untergrund gelieferte Beweise für die Existenz und die Demarkation von Territorien von Seiten Einzelner. Aus den USA schwappte das Phänomen nach einigen Jahren auch in die europäischen Großstädte herüber. Zweifellos gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Urform der Graffiti und der Existenz von Randgruppen verschiedenster Art in Metropolen. (…)”

Andreas Hapkemeyer


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