Verlag, Artbook, Dennis de Kort, Kunst, Kunstbuch, Kunstkatalog, Kunstkataloge, Reproduktionen, Andrea Gottdang/Ingonda Hannesschläger
Kunststandort Salzburg
32 Kunstwerke auf Straßen und Plätzen, Fotos von Hubert Auer. Texte von Andrea Gottdang, Andrea Löbmann, Christina Huemer, Daniela Carollo, Friederike Aspernig, Gudrun Ball, Ingonda Hannesschläger, Julia Bischoff, Kathrin Gögele, Laura Hähnel, Margarita Meindl, Sandra Kobel, Sophie Leimgruber, Sebastian Redlich und Tanja von Schilling. Verlag, Österreich,

Andrea Gottdang/Ingonda Hannesschläger
Kunststandort Salzburg
32 Kunstwerke auf Straßen und Plätzen


Broschüre, Format 170/240 mm, 96 Seiten, ca. 78 farbige Abbildungen, 1. Auflage 2015

ISBN 978-3-903078-01-7

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Vorwort:

„Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler“, schrieb Robert Musil 1936 in seinem Nachlaß zu Lebzeiten. Inzwischen, fast 80 Jahre später, darf man diese Behauptung wohl erweitern auf Kunst im öffentlichen Raum allgemein, in jeder Stadt. Die zunehmende Überflutung mit visuellen und akustischen Reizen – über die übrigens auch schon zu Musils Zeiten geklagt wurde – aber auch Gewöhnungseffekte führen dazu, dass wir Vertrautes in unserer eigenen Umgebung nicht mehr bewusst ansehen oder als Touristen in fremden Städten bevorzugt die Highlights „abarbeiten“. Wahrgenommen wird am ehesten die Veränderung im Stadtraum, die Neuaufstellung eines Kunstwerks – vor allem dann, wenn es die Gemüter erhitzt. Haben sie sich abgekühlt, setzt auch da erstaunlich rasch die „Unsichtbarwerdung“ des Kunstwerks ein. Diesem Phänomen möchten wir mit unserer Publikation für den Kunststandort Salzburg mit einer Auswahl von Werkbetrachtungen entgegenwirken. Musil reagierte auf eine seit dem 19. Jahrhundert steigende Denkmalflut, die Salzburg allerdings nicht erreichte. Salzburg, das war zunächst die Altstadt, der die barocken Plätze, Gebäude und Brunnen ihr Gesicht gaben. Mit dem beginnenden Tourismus vertraute Salzburg auf deren Schönheit und baute das Image der Barockstadt, der Festspielstadt auf. Zeitgenössische Kunst passte da lange Zeit kaum ins Bild, auch wenn sie mit Kunst am Bau-Projekten und Initiativen von einzelnen Persönlichkeiten seit den 1950er Jahren gefördert wurde. Erst in den letzten Jahren wurde die Chance einer Image-Erweiterung erkannt, nicht zuletzt durch die Initiative der Salzburg-Foundation, auch wenn gerade sie heftig diskutiert wurde. Wertschätzung ist immer auch eine Frage des Verstehens. Das gilt ganz besonders für Kunstwerke, zumal seit der Erweiterung des Kunstbegriffs im 20. Jahrhundert ein Konsens in der Bevölkerung kaum mehr herzustellen ist. Kunstwerke brauchen Vermittlung, vor allem jene im öffentlichen Raum. Wir möchten anhand einer Auswahl von 32 Kunstwerken auf Straßen und Plätzen dazu einladen, am Kunststandort Salzburg auf Entdeckungsreise zu gehen; hinzusehen. Nicht nur unbewusst zu registrieren, sondern bewusst wahrzunehmen. Kurze Texte zu den Werken machen auf Besonderheiten aufmerksam und regen an, Alt-Bekanntes immer wieder neu ästhetisch zu erleben und inhaltlich neu auszuloten. Die meisten der vorgestellten Kunstwerke lassen Spielräume für Interpretationen. Dieser Offenheit der Deutung, die nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln ist, versuchen wir gerecht zu werden, indem wir uns jeweils auf einige, wenige Aspekte konzentrieren, die nicht von komplexen Theorien, sondern von der – vermeintlich – einfachen Anschauung ausgehen. Bedenkt man, dass das Land Salzburg seit 1980 Kunst am Bau fördert, dies 2008 in einem Fonds für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum institutionalisierte und im Laufe der Jahre mehr als 300 Bauprojekte mit mehreren hundert Künstlern in Stadt und Land Salzburg unterstützt hat, dass die Salzburg Foundation zwischen 2001 und 2011 zwölf Kunstwerke (realisiert 2002 bis 2012) in Auftrag gegeben hat, lässt sich schnell ahnen, welche Fülle und Vielfalt von Kunstwerken heute in der Stadt Salzburg zu sehen ist. Daraus eine vergleichsweise kleine Auswahl zu treffen, war nicht leicht. Wichtig erschien es, ein möglichst breites Spektrum abzudecken, sowohl Bekanntes, in der Diskussion der letzten Jahre Präsentes, als auch weniger Prominentes, Verstecktes zu entdecken und zu würdigen, dabei dem ganzen Kosmos der Förderer ansatzweise gerecht zu werden, genannt seien nur Landeskliniken, Universität und Salzburg Museum. Weiterhin möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Kunst in Salzburg nicht nur um Dom und Residenz herum, kurz: nicht nur in der Altstadt angesiedelt ist. Ein gar nicht so weiter Weg zu Kunstobjekten außerhalb des historischen Zentrums lohnt sich. Einen kleinen Schwerpunkt haben wir auf Künstler gesetzt, die ein besonderes Verhältnis zu Salzburg hatten oder haben. Giacomo Manzù, Lotte Ranft und Josef Zenzmaier sind deshalb gleich mit mehreren Werken vertreten. Vor allem aber sollten die ausgewählten Kunstwerke einen repräsentativen Querschnitt bilden und stellvertretend die zentralen Aspekte vertreten, die sich bei der Vorbereitung als Leitmotive herauskristallisierten. Dies sind zum Beispiel Fragen einzelner Gattungen und ihrer Geschichte, wie Denkmal, Mahnmal, Kunst am Bau; Themen und Materialien, die in der künstlerischen Gestaltung immer wieder ins Zentrum rücken, wie Licht und Schrift, gewollte und ungewollte Interaktionen, schließlich auch ganz praktische Erwägungen wie die Frage nach dem Standort. Diese Aspekte binden die Kunst auf Salzburgs Straßen und Plätzen in einen größeren Kontext ein, denn sie gelten letztlich in allen Städten – in diese Bereiche führen einleitend eigene Beiträge ein. Die Lokalisierung auf Straßen und Plätzen ist dabei nicht ganz so wörtlich zu nehmen: auch in Höfen und Innenräumen gibt es viel zu erkunden – entscheidend war für die Auswahl in erster Linie die öffentliche Zugänglichkeit. Alle Texte wurden im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Universität Salzburg von Studierenden der Kunstgeschichte erarbeitet. Zur leichteren Lesbarkeit beziehen sich die auf natürliche Personen bezogenen Bezeichnungen auf Frauen und Männer in gleicher Weise. Die von Hubert Auer eigens für diese Publikation angefertigten Fotos lenken den Blick immer wieder auf Details, für die der schnell vorbei Eilende zu oft kein Auge hat. Vor allem aber zeigen die Aufnahmen die Kunstwerke auch in ihrer Umgebung, die keineswegs so unveränderlich ist, wie man glauben möchte. Manche Kunstwerke wurden mehrfach umgesetzt. Bei anderen ändert sich die Wirkung mit der Umgestaltung ihres Umfeldes – und sei es, dass Mistkübel, Straßenschilder oder Wahlplakate dem Kunstwerk immer wieder unsensibel auf den Leib rücken, wie im Fall von Lotte Ranfts Radfahrer. Das Wechselspiel von Kunstwerk und Umgebung zieht sich daher als wichtiges Thema wie ein roter Faden durch die Werkbetrachtungen. Bei den Recherchen und Vorbereitungen sind auch viele Diskussionen entbrannt. Der Erhaltungszustand, die Pflege der Kunstwerke lässt oft zu wünschen übrig, manche sind nahezu verschwunden. Auch wenn der Fonds für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum und die genannten Förderer und Eigentümer entsprechende Maßnahmen zur Erhaltung setzen, liegt es wohl auch bei uns selbst hier aktiv mitzuwirken, Akzeptanz zu schaffen und auch Missstände bewusst zu machen. Wir würden uns wünschen, dass die Leserinnen und Leser die Anregungen aufgreifen und sich vor Ort ein Bild machen, denn nur im Stadtraum selbst erschließen sich die Werke vollständig.


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